NEWS & PRESSE

Wirtschaftsprüfer:
Neue Auftragsbedingungen 2017

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Fast alle deutschen Wirtschaftsprüfer und Wirtschaftsprüfungsgesellschaften verwenden die Allgemeinen Auftragsbedingungen (AAB), die deren Berufsverband, das Institut der Wirtschaftsprüfer e.V. (IDW), herausgibt. So gut wie jedem Prüfungsbericht sind diese AAB am Ende beigefügt.

Die AAB regeln Details der Auftragsausführung, des Auftragsinhalts, der Haftung und Ausschlussfristen. Die letzte Fassung der AAB aus dem Jahre 2002 war in letzter Zeit immer stärker in die Kritik geraten. So hatten Gerichte einzelne Klauseln für unwirksam erklärt, d.h. es hatten z.B. die Oberlandesgerichte in Düsseldorf und Frankfurt die in den AAB enthaltene Verpflichtung des Mandanten, einen Schadensersatzanspruch innerhalb einer Ausschlussfrist von einem Jahr nach Kenntnis von Schaden und dem anspruchsbegründenden Ereignis geltend zu machen, als unwirksam gebrandmarkt. Auch andere Klauseln waren umstritten.

Das IDW hat reagiert und neue AAB mit dem Stand 01.01.2017 herausgegeben. Einige Kri-tikpunkte sind darin entschärft. So enthalten die neuen AAB eine modifizierte Formulierung der o. g. Ausschlussfrist. Nach der Neufassung erlischt ein Schadensersatzanspruch, wenn nicht sechs Monate nach der schriftlichen Ablehnung der Ersatzleistung Klage erhoben wird und der Auftraggeber auf diese Folge hingewiesen wurde; ausgenommen sind bestimmte Ersatzansprüche.

Weitere Änderungen befassen sich z.B. mit der unverschlüsselten E-Mail-Kommunikation und der Honorierung von Steuerberatungsleistungen nach Maßgabe der Steuerberatervergütungsverordnung.

Ein Knackpunkt bleibt von den Änderungen zwangsläufig unberührt: die Haftungssumme. Denn diese ist für Pflichtprüfungen gesetzlich geregelt. Bei nicht börsennotierten Gesell-schaften beträgt sie gerade einmal eine Million Euro (§ 323 HGB). An diesem aus Sicht des Mandanten größten Ärgernis und aus Sicht der Wirtschaftsprüfer großen Segen kann die Neufassung der AAB nichts ändern. Der Prüfer darf auch von sich aus keine höhere Haftung bei Pflichtprüfungen anbieten, dies verbietet ihm das Berufsrecht (§ 18 der Berufssatzung für Wirtschaftsprüfer).

Außerhalb von Pflichtprüfungen darf die Haftungssumme qua Gesetz nicht weniger als EUR 4 Millionen betragen, was in o.g. AAB als Standard vorgesehen ist. In der Praxis versuchen Mandanten allerdings zunehmend, außerhalb von Pflichtprüfungen „ihren“ Wirtschaftsprüfer bei entsprechenden Risiken zu höheren Haftungssummen zu bewegen. Hier muss man aber wissen, dass dies für den Prüfer in der Regel mit höheren Versicherungskosten verbunden ist, die er dann in der Regel auch dem Mandanten in Rechnung stellt.

FAZIT: Es bleibt abzuwarten, ob die Gerichte alle Klauseln in den neuen AAB gutheißen werden. Im Konfliktfall ist es zu empfehlen, die fraglichen Klauseln vor einem Rechtsstreit rechtlich prüfen zu lassen. Wer von „seinem“ Prüfer bei entsprechenden Risiken eine höhere Haftungssumme fordert, kann dies – außer bei Pflichtprüfungen – durchaus versuchen, muss sich aber der Mehrkosten bewusst sein.

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IHR ANSPRECHPARTNER:
Dr. Dirk Struckmeier

Berufsrecht / Berufshaftung der Steuerberater, Wirtschaftsprüfer und Rechtsanwälte, Gesellschafts- und Handelsrecht, Internationaler Rechtsverkehr, Produkthaftung und Produktsicherheit, Recht der Allg. Geschäftsbedingungen, Umwandlungsrecht, Unternehmenskauf (M & A) / Unternehmensstrukturierung, Vertriebsrecht
IHR ANSPRECHPARTNER:
Dr. Thilo Schülke

Berufsrecht / Berufshaftung der Steuerberater, Wirtschaftsprüfer und Rechtsanwälte, Gesellschafts- und Handelsrecht, Insolvenzrecht, Sanierungs- und Restrukturierungsberatung
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